Das Abradizil

von Andrew Gibson

10. Kapitel

»Ich kann nichts mehr sehen, nur noch mich!«

Das war Robertas Stimme.

»Ich kann außer mir auch niemanden mehr sehen!«, schrie Franz.

»Ich auch nicht!«, gellte Dworkin.

»Ich auch nicht! Ich auch nicht!«, lachte der Spiegelmann.

»Haltet euch bei den Händen!«, schrie Roberta.

»Was?«

»Faßt euch bei den Händen! Oder wir verlieren uns für immer!«

Franz tastete nach beiden Seiten. Die anderen Fränze machten es ihm nach.

»Es ist niemand da!«, rief er.

»Überhaupt niemand!«, sang der Spiegelmann.

»Doch, da ist jemand!«, sagte Roberta. »Versucht es weiter!«

Franz tastete wieder und wieder. Dann traf eine Hand die seine.

»Ich habe dich.«, sagte Roberta.

»Und ich habe dich.«, sagte Wallenstein.

»Hab’ dich, Wallenstein.«, sagte Dworkin.

»Äh ... ja.«, sagte Wallenstein. »Mein Knie, um genau zu sein, aber lassen wir das gelten.«

»Bildet einen Kreis!«, sagte Roberta.

Franz fühlte herum und bekam Dworkins andere Hand zu fassen.

Und da verschwanden die anderen Fränze. Er befand sich wieder im Kreis seiner Freunde. In der Mitte des Kreises stand der Spiegelmann. Doch sah er nun klein und jämmerlich aus, wie eine zerbrochene Puppe. Langsam hob er sein ausdrucksloses Gesicht.

»Die Spiegel sind zu Ende.«, sagte er mit einer winzigen, gebrochenen Stimme.

Es gab ein klirrendes Geräusch und dann ein Krachen.

Der Spiegelmann fiel in sich zusammen, wie eine zerschlagene Glasscheibe und lag in Scherben zu ihren Füßen. Darauf stürzten die Spiegelwände ein, immer eine nach der anderen, splitternd, klingend, springend schmetterten sie zu Boden.

»Das ist das Ende des Labyrinths, nehme ich an.«, sagte Dworkin.

»Das glaube ich nicht, weißt du?«, sagte Roberta.

Und natürlich war es das auch nicht. Die Wände wuchsen erneut, nicht als Spiegel- oder Nebelwände diesmal, sondern als solide Stahlwände, die soweit hinauf gingen, wie Franz sehen konnte.

»Laßt uns weitergehen.«, sagte Wallenstein.

Sie liefen los. Die Wände hallten mit einem dumpfen, harten Klang wieder. Sie trabten einen Gang hinunter, dann einen anderen, kreuzten einen dritten, gingen weiter. So liefen sie stundenlang, zumindest kam es ihnen wie Stunden vor. Das Labyrinth schien größer zu sein als das Schloß - ja größer als die Stadt selbst. Sie setzten sich nieder, legten sich hin, schliefen, gingen weiter. Das Labyrinth blieb einfach so wie es war. Soweit sie wußten, konnten sie jeden Weg schon zwanzigmal entlang gegangen sein. Alles sah gleich aus.

»Ich fange an, mich untröstlich zu fühlen.«, sagte Esculapius.

»Aber es muß irgendeinen Weg hinaus geben.«, sagte Roberta.

»Ferencz dachte, daß wir nicht hinausfinden würden. Doch er hat nicht gesagt, daß es unmöglich sei.«

Danach gingen sie um eine Ecke und schnappten nach Luft.

Etwas stand ihnen gegenüber.

Es war teils Mensch und teils Insekt. Mehr Insekt. Es hatte den Körper eines Tausendfüßlers, aber Schultern und Kopf waren menschlich. Aus dem Kopf wuchsen ihm Fühler und an den Enden seiner Arme waren Scheren. Es beäugte sie neugierig und summte.

»Was macht ihr denn hier?«, fragte es.

»Wir gehen durch das Labyrinth.«, sagte Roberta.

»Korrektur!«, sagte das Geschöpf. »Ihr geht nicht durch das Labyrinth. Nichts geht durch das Labyrinth. Ihr habt euch im Labyrinth verirrt!«

»Wir gehen durch das Labyrinth!«, sagte Roberta noch einmal. »Und wir werden auch wieder herauskommen. Wir wissen nämlich, daß man wieder herauskommen kann, wenn man es nur versucht. Ferencz hat es uns gesagt.«

»Ferencz?«, sagte das Geschöpf. »Nie davon gehört. Ich bin derjenige, der im Labyrinth wohnt. Ich lebe hier schon solange ich mich erinnern kann und ich weiß, daß man nicht aus dem Labyrinth herauskommt. Ganz egal, auf welche Weise man es auch probiert. Ich muß es doch wissen, oder?«

»Nicht unbedingt.«, sagte Roberta.

»Ich habe eine Empfehlung für euch.«, sagte das Geschöpf.

»Was?«, fragte Roberta.

»Ich meine, einen Rat.«

»Welchen Rat?«

»Verzweiflung!«, sagte das Geschöpf mit einem Grinsen.

»Was?«

»Ich meine, gebt es auf! Labyrinthe sind schließlich dazu da, daß man sich in ihnen verirrt. Labyrinthe sind Orte an denen man weiß, daß man sich verlaufen hat. Wenn einem erstmal klar ist, daß man sich verirrt hat, kann man ebensogut damit weitermachen, verirrt zu sein.

Je länger man es tut, desto einfacher wird es.«

»Wir wollen aber nicht akzeptieren, daß wir uns verirrt haben.«, sagte Roberta.

»Wir wollen zu Ferencz gelangen.«

»Ferencz?«, sagte das Geschöpf. »Nie davon gehört. Laßt mich euch etwas sagen. Die Welt besteht aus Gängen, nicht wahr?«

»Nein!«, sagte Roberta.

»Doch!«, sagte das Geschöpf. »Ich weiß es, weil ich darin lebe. Nun, ich bin schon seit ewig langer Zeit hier und ich hätte bestimmt einen Ausgang gefunden, wenn es einen gäbe. Ich habe jedoch keinen gefunden, also gibt es auch keinen. Warum bleibt ihr nicht einfach hier, bei mir? Wir könnten alle zusammen verirrt sein.«

»Laß mich dir etwas sagen!«, sagte Roberta.

»Bitteschön.«, sagte das Geschöpf.

»Es gibt ein Wesen namens Ferencz.«, sagte Roberta geduldig. »Und er hat dieses Labyrinth erschaffen.«

»Blödsinn!«, sagte das Geschöpf.

»Außerdem weiß er, daß es einen Ausgang gibt«, sagte Roberta, »weil er ihn gemacht hat.«

»Blödsinn!«, sagte das Geschöpf erneut. »Ich bin schon immer hier gewesen, und ich habe noch nie einen Ferencz gesehen, nirgendwo!«

»Du würdest einen Ferencz nicht erkennen, selbst wenn du ihn sähest.«, sagte Roberta.

»Würde ich doch!«, sagte das Geschöpf. »Es wäre so eine Art von ... groß. Mit ... wirbelnden Augen.«

»Falsch!«, sagte Roberta.

»Woher weißt du das?«, fragte das Geschöpf.

»Hast du es denn schon gesehen?«

»Ja.«, sagte Roberta.

»Oh.«, sagte das Geschöpf und blickte sie zweifelnd an.

»Wirklich?«, sagte es , nach einer langen Pause.

»Ja!«

»Und es hat gesagt, es habe das Labyrinth erschaffen?«

»JA!«

»Ich habe nie gedacht, daß irgend Etwas das Labyrinth erschaffen hätte.«

Roberta schüttelte den Kopf.

»Ferencz hat es erschaffen,«, sagte sie. »Und dich hat er vermutlich auch erschaffen.«

»Korrektur!«, sagte das Geschöpf. »Niemand hat mich erschaffen. Ich ... war einfach da!«

»Ferencz hat dich geschaffen«, sagte Roberta, »und dich hierher gebracht. Du hast nie etwas anderes als das Labyrinth gesehen, also weißt du auch nicht, daß es außerhalb von ihm noch etwas anders existiert. Aber das tut es. Und einen Weg nach draußen gibt es auch. Ferencz hat das gesagt und ...«

Plötzlich lächelte Roberta.

» ... und du mußt wissen, wo der Weg ist! «, sagte Roberta.

»Blödsinn!«, sagte das Geschöpf sofort.

»Du weißt gar nicht, daß du es weißt.«, sagte Roberta. »Du weißt ja noch nicht einmal, wie ein Ausgang aussehen würde. Aber du hast ihn schon gesehen, da bin ich sicher. Etwas Besonderes. So etwas, wie der Mittelpunkt des Labyrinthes, zum Beispiel.«

»Da gibt es einen Teil, wo die Korridore enger werden.«, sagte das Geschöpf. »Außerdem liegen die Gänge dort näher zusammen. Ich bin nie dahinunter gegangen. Es ist dunkel und schaurig und sonderbar dort. Es ist überhaupt nicht wie die anderen Teile. Könnte das euer Ausgang sein?«

»Vielleicht.«, sagte Roberta. »Kannst du uns da hinführen?«

»Folgt mir!«, sagte das Geschöpf nickend.

Sie folgten ihm für eine lange Zeit, bis die Wände begannen, näher zusammenzurücken. Nach einer Weile war kaum noch genug Platz, um sich zwischen ihnen hindurch zu quetschen. Schließlich hielt das Geschöpf an. »Dies ist der Ort, den ich gemeint habe.«, sagte es.

»Nun, dann laßt uns weitergehen!«, sagte Roberta.

»Ich will nicht!«, sagte das Geschöpf.

»Es macht mir angst. Fürchtet ihr euch denn gar nicht?«

»Nicht so sehr.«, sagte Roberta. »Es ist wahrscheinlich der Weg nach draußen.«

Das Geschöpf schüttelte seine Fühler in der Luft.

»Es gibt keinen Weg nach draußen!«, sagte es stur.

»Ihr glaubt, daß es einen gibt. Vielleicht gibt es ihn sogar, für euch. Aber er ist nicht wirklich da!«

»Das ergibt doch keinen Sinn.«, sagte Roberta.

»Für mich ergibt es einen Sinn.«, sagte das Geschöpf. »Und ich bin schließlich derjenige, der es wissen muß!«

»Warum kommst du nicht mit uns?«, fragte Wallenstein. »Trotz allem, könnten wir ja auch recht haben.«

Das Geschöpf starrte ihn fest an.

»Ich glaube nicht, daß ich das tun werde.«, sagte es endlich. »Wißt ihr«, sagte das Geschöpf, »das Labyrinth ist mein Zuhause. Angenommen, ihr habt recht und es gibt wirklich etwas draußen. Es würde mir sicher nicht gefallen!«

»Doch, bestimmt würde es das.«, sagte Roberta. »Es ist hell und warm. Dort gibt es eine Menge unterschiedlicher Wesen. Und viele andere schöne Dinge.«

Das Geschöpf schüttelte wieder seine Fühler.

»Ich würde nicht wissen, wo ich bin.«, sagte es. »Hier weiß ich wenigstens, wo ich bin. Manchmal. Manchmal auch nicht. Aber dann weiß ich, wo ich bin, indem ich nicht weiß, wo ich bin, wenn ihr versteht, was ich meine.«

»Nein!«, sagte Roberta prompt.

»Sollen wir dich also hierlassen?«, fragte Wallenstein.

»Ich wäre euch sehr verbunden, wenn ihr das tätet.«, sagte das Geschöpf.

So verabschiedeten sie sich und gingen alleine weiter.

Der Abstand zwischen den Wänden wurde immer enger. Es war sehr gut, daß Wallenstein dünn war und die anderen klein. Sie schnauften und ächzten und quetschten sich weiter hindurch. Langsam hatten sie das Gefühl, in einer furchtbaren Falle zu sitzen.

Ganz plötzlich schrie Roberta auf. Die anderen eilten zu ihr und fanden sich in einem freien Raum wieder. Er ähnelte einem hohlen Stahlzylinder, dessen Durchmesser nicht besonders groß war.

Es gab kaum genug Platz in ihm, damit sie alle stehen konnten.

»Das ist die Mitte!«, sagte Roberta.

»Wir sind da!«, sagte Franz.

»In ‘nem Loch!«, grunzte Dworkin.

»Es muß hier einen Weg nach draußen geben.«, sagte Roberta und schaute sich suchend um.

»Aber ich weiß nicht so recht, wo.«, sagte Wallenstein. »Da ist der Boden ... da sind die Wände ... da ist das Dach ...«

»Es hat gar kein Dach.«, sagte Roberta.

Sie lehnten sich alle zurück und spähten hinauf. Es war wie vom Grund eines Brunnens nach oben zu gucken.

»Und wie kommen wir da hinauf?«, fragte Wallenstein.

»Fliegen, vielleich’?«, sagte Dworkin.

»Auf meinem Rücken!«, sagte Esculapius.

»Immer einer nach dem and’ren!«, sagte Dworkin.

Sie lachten beide schallend.

»Oder klettern, am Ende?«, sagte Esculapius.

»Wie’s Abradesel!«, schrie Dworkin.

Sie kullerten wieder auf dem Boden herum, glucksend vor Heiterkeit.

Roberta sah richtig wütend aus.

»Ferencz!«, schrie sie gellend. »Wir haben die Mitte gefunden! Laß uns heraus!«

Einen Moment blieb es still, dann kam ein Lachen von oben.

Langsam öffneten sich die Stahlwände, wie Blütenblätter.

Ein Lichtstrahl fiel auf sie herab. Danach erschien auch eine Leiter. Sie kletterten hinauf, so schnell sie nur konnten. Es war sehr hell dort oben. Das Licht schmerzte in ihren Augen. Blinzelnd sahen sie sich um. Sie waren wieder draußen, im Freien und der Himmel hinter ihnen war rot.

Der Morgen dämmerte. Eine ganze Nacht waren sie in dem Labyrinth gewesen.

Sie standen auf einer Zinne, die sich direkt unter der Spitze des Schlosses befand. Über ihnen gab es nur noch einen letzten, düsteren Turm.

Hinter ihm brachen die Strahlen der Sonne hervor. Und da stand Ferencz, ganz in einen langen, schwarzen Umhang gehüllt und betrachtete sie.

Er lächelte.

»Gratuliere!«, sagte er.

»Nicht der Rede wert.«, sagte Wallenstein.

»Das Mädchen war ziemlich scharfsinnig!«, sagte Ferencz.

»Ohne sie wärest du verloren gewesen, Wallenstein, nicht wahr?«

Wallenstein nickte demütig.

Ferencz deutete über die Schloßmauer. Sie waren nun auf der anderen Seite des Berges.

In der Ferne konnten die Kinder die Dächer der Stadt sehen. Sie glitzerte im Morgenlicht. Hinter der Stadt befand sich eine riesengroße Ebene und dahinter lag eine andere Stadt im Sonnenschein. Jenseits dieser Stadt war eine zweite Ebene und eine Bergkette. Am Fuße der Berge lag eine dritte, strahlende Stadt.

Franz und Roberta staunten all dies verwundert an.

»Die Welt ist größer, als ihr dachtet, Kinder!«, murmelte Ferencz.

Dann schaute Franz unter sich.

Tief unten floß der Strom, der sich von der Stadt aus zu einem weit entfernten Meer wand. Und dann sah er etwas, von dem er nie gewußt hatte, daß es existierte : Ein tiefes Tal, eine dunkle Kluft zwischen dem Schloß und dem Fluß.

Seine riesigen Klippen fielen senkrecht ab, zu einem Grund, den man nicht sehen konnte.

Franz wendete den Kopf und blickte wieder auf die Städte.

»Ihr findet die Aussicht zweifellos wunderschön.«, sagte Ferencz ruhig.

»Du nicht?«, fragte Wallenstein.

»Ich einst auch.«, sagte Ferencz. »Aber das ist lange her!«

Und er lächelte wieder.

»Städte haben angefangen mich zu beunruhigen, wißt ihr? Sie hören nicht auf zu wachsen. Die ganze Zeit über. Es stört mich, sie auf diese Weise wachsen zu sehen. Ich habe die starke Befürchtung, daß sie sich am Ende überall ausbreiten werden.«

Franz beobachtete seine Hände. Er spielte mit dem Juwel.

»Was hast du damit vor?«, fragte Wallenstein.

»Ich habe versprochen, es euch sehen zu lassen.«, sagte Ferencz.

»Und ich werde mein Versprechen halten.«

Er streckte die Hand aus und hielt das Juwel in die Luft.

Für einen Augenblick fing es das Licht ein und in diesem Moment schien es sich irgendwie in tausend glühende Punkte aufzulösen.

Ferencz runzelte die Stirn.

Zweimal strich er über das Juwel und murmelte dabei etwas Tonloses.

Und Franz wußte schon jetzt was er vorhatte. Er unterwarf das Juwel seinem Willen und vereinigte dessen Macht mit seiner.

Weit unten im Tal gab es ein furchterregendes, krachendes, donnerndes Geräusch.

Gestalten erhoben sich aus den Felsen, rissen sich von den schwarzen Klippen des Tales los. Sie waren unermeßlich, fast so groß, wie das Tal tief war, mit eckigen Köpfen, gewaltigen Gliedmaßen und augenlosen Gesichtern.

Sie richteten sich auf. Dann drehten sie sich langsam um und wendeten sich der Stadt zu.

»Meine Unterhaltung.«, murmelte Ferencz.

»Seht ihr, ich bin aller Magie Müde geworden, bis auf die der ehrfurchtgebietenden Art.«

Er wies auf die Felsengiganten.

»Sie werden natürlich mit eurer Stadt anfangen. Dann werden sie zu den anderen ziehen. Später werden sie weitergehen, zu Städten, die in noch größerer Ferne liegen. Sie werden - unersättlich sein. Ist es wirklich nötig zu beschreiben, was sie im einzelnen tun werden? Ich glaube nicht.«

»Ferencz?«, sagte Wallenstein auf einmal.

»Ja?«

»Warum bist du so böse geworden?«

Es war still.

Ferencz warf ihm einen irren, kalten, abweisenden Blick zu.

»Vom Beobachten, vielleicht.«, sagte er schließlich.

»Auf jeden Fall ist das von keiner Bedeutung.«

Weitere Giganten lösten sich aus den Felsen. Der Lärm war schrecklich. Das Schloß begann zu beben.

Franz versuchte vorwärts zu gehen und stellte fest, daß er keinen Schritt mehr tun konnte. Keiner von ihnen konnte es.

Ferencz hatte sie auf die Stelle gebannt, auf der sie standen.

Und dann zupfte Roberta an Franz’ Arm und zeigte schweigend auf den Turm über ihnen.

Hinter ihm ging gerade die Sonne auf. Sie tauchte sie alle in rotes Licht und die Ebene unter ihnen auch.

Da, auf der obersten Zinne, ein Schattenriß gegen die Sonne, stand eine bekannte Gestalt - eine kleine, seltsame, rundliche Gestalt, die spöttisch auf sie herabschaute. Sie schien ein wenig zu zittern. Dann sprang sie. Sie kam zwischen sie herabgestürzt, ihr Ziel war Ferencz. Sie traf ihn, packte ihn als sie ihn traf, fiel über die Brüstung der Zinne, ihn immer noch fest an sich gedrückt und nahm ihn mit, denn Berg hinunterrollend, bis zum Rand der Schlucht und darüber hinaus.

Aus der Tiefe der Schlucht erklang ein langer, lauter, schriller, verzweifelter Schrei. Dann war alles still.

Die Giganten erstarrten auf der Stelle. Dort standen sie, festgebannt, der Stadt zugewendet, die Sonne im Rücken, wie furchtbare Überreste eines anderen Zeitalters.

Das schien das Ende der Giganten zu sein und auch das Ende von Ferencz.

Aber es schien auch das Ende des Abradizils zu sein.

impressum © Andrew Gibson 1990 / übersetzt von kadabra1993

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