Topic: Schreiben

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Da heisst es Kinderbücher würden entstaubt. Texte würden verändert, um jeglichem Gedanken an Diskriminierung einen Riegel vorzuschieben. Das Wort „Negerlein“ wird aus Preußlers kleinen Hexe getilgt und auch Pippi Langstrumpfs Vater ist nicht länger Negerkönig – sondern Südseekönig.

Natürlich muss man Kinder beschützen, damit sie nicht wirklich erfahren wie es in der Welt zugeht. Schon allein weil sie sonst den adosleszenten Schock nicht so richtig geniessen können, der den Stoß ins Erwachsenenleben markiert.

Ach, guten Morgen, möchte man diesen selbsternannten Erziehern zum besseren Menschen zurufen. Natürlich kommen Kinder nie von allein auf die Idee jemand anderes auszugrenzen, zu hänseln und zu verspotten. Sie sind klein – ihr Herz ist rein. Daran erinnern wir uns alle noch gut aus unserer eigenen behüteten Kindheit. – Oder etwa nicht?

Warum denn bei einzelnen Worten stoppen, warum nicht gleich Annika mutig machen und Tommy ängstlich – aus Fräulein Rottenmeier einen Herrn Rottenmeier machen, die Hexen politisch korrekt zum Yogazirkel älterer Damen erklären, die sich auf dem Blocksberg nur einfach der Natur näher fühlen? Ja – warum eigentlich nicht?

Ein Autor hat seine Lebenswirklichkeit und darüber schreibt er. Wenn der unverfälschte Text für den Spätlesenden einen oder anderen Stolperstein enthält – wunderbar. Das animiert nämlich zum Nachdenken. Warum war es damals so und ist heute … immer noch so?
Und heisst nur anders? Und wird nicht dadurch ungeschehen gemacht, dass wir ein Wort durch ein anderes ersetzen?

Lest Lessing, lest Shakespeare und ersetzt in Gedanken jedes nicht politisch korrekte Wort durch ein weichgespültes. „Denn die Authentizität des Werks muss der sprachlichen Weiterentwicklung untergeordnet werden.“ Ihr werdet merken wie schnell sich Euer Gehirn entspannt.

Und genau das ist und war Ziel jeglicher Zensur zu jeder Zeit!

Marvellous Drop Caps & Typography

T
his is just breathtakingly beautiful!

via Alphabet 7: T | Daily Drop Cap.

Stilblüten

Heute morgen bei der Faz.

via : F.A.Z.-Stiltest: „Ich schreibe wie . . .“ – Hintergründe – Feuilleton – FAZ.NET.

Was dabei rausgekommen ist ? Ich habe die Geschichten eingegeben und kriegte 1 x Nietzsche2 x Charlotte Roche, 3 x Peter Handke, 4 x Ingo Schulze2 x Uwe Tellkamp, 1 x Thomas Hettche und 1 x Kurt Tucholsky.

Interessant.

Als Parodist hat man natürlich keinen unverwechselbaren Stil, aber dass die Bachmannparodie als Handke daherkommt und der Hesse als Tucholsky bekümmert mich doch ein wenig.

Also direkt weiter zur englischsprachigen Originalseite „I write like“ mit der „Bedtime Story“ . Und da kam dann die ultimative Bauchpinselei:

I write like J. R. R. Tolkien

Wenigstens das hat geklappt.

;-D

Elkes Wort zum Sonntag

Es lohnt kaum noch, Kritiken zu lesen, verbale Schlachten zu verfolgen, Hymnen und Verrisse, Lob und Häme sich reinzuziehen. Es lohnt nur noch, Bücher möglichst selbst zu lesen.

via Skandalroman “Axolotl Roadkill“ – Der Leser ist eh wurscht – Kultur – sueddeutsche.de.

Ich mag sie ja, die Frau Heidenreich. Unprätentiöse Kodderschnüss gegen Pseudohermetische Literasten.

>;->

à propos

Wer will, kann eine neue Geschichte von mir lesen.

Neu ist übrigens gelogen. Ich erinnere mich dunkel so um 2003 damit angefangen zu haben.
Ich würde sie im Anschluss an die Diskussion gerne als meinen schlecht gefälschten Hesse bezeichnen. Oder vielleicht Wiechert. Ein bisschen C. G. Jung ist drin und etwas Käte Recheis und natürlich Hans Christian Andersen und Wilhelm Hauff. Mehr fallen mir jetzt gerade nicht ein.

Schreiben und abschreiben

Man kann das Verschwinden der Originalität beklagen oder nüchtern feststelllen, dass es eh nur 3 gute Geschichten auf der Welt gibt, die immer neu erzählt werden.

1.) Initiation, Coming Of Age, Erwachsen werden.
2.) Konfrontation, Schicksal, Deus ex Machina, höhere Mächte.
3.) Transformation, vom Saulus zum Paulus und umgekehrt.

Aber da gibt es ja noch den Stil, die Protagonisten, den gesellschaftlichen Hintergrund, die Sprache, die Intention.

Und zumindest da kann man versuchen originell zu sein – oder wenn man das nicht schafft – intertextuell arbeiten mit Zitat, Querverweis, Parodie und Paraphrase.

Solange das in irgendeiner Weise an- bzw. zugegeben wird, (und zwar vor der Veröffentlichung!) regt sich keiner auf. Niemand, der schreibt, wird von sich behaupten gänzlich unbeeinflusst zu sein von dem was er liest.

Es sei denn, er ist jung und braucht das Geld.

Und was die gestern beschworene Medienkampagne betrifft:
Es geht schon los.