Topic: KKk

KKk – Die Leiden des jungen Werther

Ein sentimentaler Briefroman in 8 Sätzen, 3 Zitaten, zwei Anmerkungen und einer Moral ziemlich frei nach dem heiligen Geheimrat von Goethe

Werther ist jung, wie wir dem Titel entnehmen können und daher schwärmt er. Für die Natur, für die Literatur und für Lotte, die dekorativ vor gewittererleuchteten Fenstern zu stehen oder noch dekorativer ihre jüngeren Geschwister mit Butterbroten (+) zu füttern weiss. Und leider verlobt ist mit Albert, einem völlig uncoolen langweiligen Kerl(1).

Nach einem kurzen Fluchtversuch ins harte Berufsleben, welches ihm aber überhaupt keinen Spass macht, kehrt Werther sehnsüchtig zurück zu seiner inzwischen verheirateten Liebe. Hartnäckig hängt er an ihrer Schürze und eines Abends (Albert ist gerade mal nicht da) kommt es wie es kommen muss zu einem Kuss.

Lotte fällt dann sehr plötzlich ihr ehrsamer Ehestand wieder ein und sie will Werther nie NIE wieder sehen. Diesem geht nun endlich sein ganzes Gejammer(2) so auf die Nerven, dass er Albert fragt ob er ihm nicht mal kurz seine zwei (+) Pistolen für ein ballistisches Experiment leihen könne, was er dann erfolgreich an sich selbst durchführt. Nicht ohne einen Abschiedsbrief zu hinterlassen und einen Selbstmordhype (3) auszulösen.

(+) Hohe Blutfettwerte waren damals noch unbekannt!

(1)

„Daß das Leben des Menschen nur ein Traum sei, ist manchem schon so vorgekommen.“

(2)

„Das volle, warme Gefühl meines Herzens an der lebendigen Natur, das mich mit so vieler Wonne überströmte, das rings umher die Welt mir zu einem Paradiese schuf, wird mir jetzt zu einem unerträglichen Peiniger, zu einem quälenden Geist, der mich auf allen Wegen verfolgt“.

(+) Vermutlich, falls eine Ladehemmung gehabt hätte. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

(3)

„Was dieses Werk gefährlich macht, ist, weil darin Schwäche wie Stärke gemalt ist. Aber wenn ich eine Sache nach meinem Sinne mache, kümmern mich die Folgen nicht. Wenn es Narren gibt, denen das Lesen desselben übel bekommt, nun – meinetwegen!“

Goethe an B. Constant de Rebecque, 16.2.1804

Und die Moral von der Geschicht: Lieber ein Lotterleben als die Lotte lieben.

Philippika

In unserer Reihe Literatur für Leichtgläubige (TM) hatte ich diesen Link vergessen.

Nicht dass es heisst, ich hätte was gegen die Schweiz. Ein Leben ohne Schokolade und Bircher Müsli wäre undenkbar! Was mir allerdings Schauer den Rücken hinunter treibt ist wie oben verlinkte Seiten ihre potentiellen Kunden unter Konsumdruck setzen.
Und wer da alles wirbt. Das blinkt tatsächlich wie eine Goldgrube! Und warum?

Weil der Mensch verzweifelt ist. Darum! Er wird nicht nur von völlig sinnfreier Information überflutet, man suggeriert ihm ständig und überall dass irgendwo in der Spreu ein Weizenkorn lauert und er nur zu blöd ist um es zu finden. Oder dass seine Zeit dafür eindeutig zu kostbar ist. Da bieten diese netten Unternehmen völlig uneigennützig ihre Hilfe an. Gegen einen kleinen Unkostenbeitrag versteht sich.

Sie wählen aus und kauen vor, würgen das ‚geistige‘ Nahrungskonzentrat wieder aus und der Verzweifelte frißt was auf den Tisch kommt. Noch nichtmal aus einem Blechnapf sondern aus der Pappschachtel. Und wird man dann davon schön, intelligent und schlank? Na sicher! Ist bei Fastfood doch immer so!

Da waren wir doch schonmal. Ob ich nun in der Kirche meinen Verstand in den Klingelbeutel werfe und mir erzählen lasse, dass die Sonne um die Erde kreist oder ob ich mir Inhalte als Tütensuppe servieren lasse um ‚mitreden‘ zu können…

Guck was man den Leuten alles abkaufen kann: Zuerst den Schneid und dann folgen Denken und Mündigkeit fast von allein!

Ausverkauf! Kultur im Sonderangebot. Buy two, get one free!

KKk – Wilhelm Tell

Ein stürmisch drängendes Drama von Fritze Schiller in sieben Sätzen, 6 Fussnoten und vier Zitaten, sowie zwei Anmerkungen und einer Moral.

Die Schweiz (1) wird gar förchterlich von Kaiser Albrechts Landvögten unterdrückt. Willkür, Vergewaltigung, Folterung und STEUERERHÖHUNGEN treiben die freiheitsliebenden Edlen des Landes zum Rütlischwur (2)(*).
Eigentlich wollen sie mit dem Aufstand ja bis nach Weihnachten warten, doch Wilhelm Tell (3) provoziert den oberbösen Landvogt Geßler indem er sich weigert dessen Hut (*) zu grüßen (4). Geßler zwingt Tell daraufhin einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schiessen, weils so schön gemein ist und weil Kirschen grad keine Saison haben.
Es kommt zu einem furiosen Showdown auf dem sturmgepeitschten (5) Vierwaldstätter See und schließlich lauert Tell Geßler vor seiner eigenen Haustür (*) auf wo er ihn mit seiner Armbrust und schweizer Präzision erlegt (*). Das geplagte Volk erhebt sich wie ein Mann, metzelt die restlichen Vögte, stürmt die Zwingburgen und die Schweiz (6) ist frei (+). Friede, Freude und Käsefondue!

1) Die da noch gar nicht so heisst.
2) Es handelt sich hierbei um einen Berg, also bitte!
*) ‚Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr!‘
3) Genau! Deshalb heisst das Stück auch so!
*) ‚Ei Vater, sieh den Hut dort auf der Stange!‘
4) Nicht fragen, die Schweizer waren immer schon ein bisschen anders.
5) Zwischen lauter hohen Bergen kann der Wind schonmal in Panik geraten.
*) ‚Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht!(+)‘
*) ‚Das war Tells Geschoss!‘
6) Die auch dann noch nicht so heisst.

+ Unter anderem auch weil Kaiser Albrecht unterdessen Opfer des Generationenkonflikts geworden ist.
+ Der Name von Geßlers Burg, ich kann nichts dafür!

Und die Moral von der Geschicht: Vorsicht bei Hüten von der Stange!

PS: Gerade gefunden. Das ist auch sehr schön ;-D!

And now for something completely different…

Nichts ist so alt, als dass es nicht wieder aufpoliert und als neu verkauft werden könnte an die Bildungshungrigen dieser Welt.

Ich schlag also heute die Zeitung auf und lese folgende frohe Botschaft:

Was früher ‚Readers Digest‘ hiess und in Deutschland vom Verlag ‚Das Beste‘ vertrieben wurde kommt nun nocheinmal verschlankt als ‚abstracts‘. daher. Geübt haben sie bisher an Fachbüchern aber warum aufhören wenns am lukrativsten ist? Und so bietet unter anderen diese Schweizer Firma nun auch Zusammenfassungen aus der Weltliteratur an. Ein RSS-Feed für Goethes Faust sozusagen.
Da Klassiker ja ein bisschen mehr Platz brauchen um ihre ganze Schönheit und Tiefe zu entfalten gibts sie auf acht Seiten statt der bisherigen fünf für die Fachliteratur.

Ach, die Schweizer. Uhrmacherpräzision im Verbund mit der höchsten Kunst in der Milchmarktwirtschaft: Dem Mut zum Loch im Käse. Ich ziehe meinen Hut und werfe ihn auf eine Stange.

Acht Seiten jedoch sind zuviel für unsere überarbeiteten Manager, verschüchterten Hausfrauen und pisagepressten Pubertierenden. Ab heute gibts hier einen völlig neuen und kostenlosen Service: Kadabras Klassiker kürzestgefasst. Links aufzufinden unter KKk.

In höchstens acht Sätzen! Versprochen!