Freitag, Januar 18th, 2013

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Da heisst es Kinderbücher würden entstaubt. Texte würden verändert, um jeglichem Gedanken an Diskriminierung einen Riegel vorzuschieben. Das Wort „Negerlein“ wird aus Preußlers kleinen Hexe getilgt und auch Pippi Langstrumpfs Vater ist nicht länger Negerkönig – sondern Südseekönig.

Natürlich muss man Kinder beschützen, damit sie nicht wirklich erfahren wie es in der Welt zugeht. Schon allein weil sie sonst den adosleszenten Schock nicht so richtig geniessen können, der den Stoß ins Erwachsenenleben markiert.

Ach, guten Morgen, möchte man diesen selbsternannten Erziehern zum besseren Menschen zurufen. Natürlich kommen Kinder nie von allein auf die Idee jemand anderes auszugrenzen, zu hänseln und zu verspotten. Sie sind klein – ihr Herz ist rein. Daran erinnern wir uns alle noch gut aus unserer eigenen behüteten Kindheit. – Oder etwa nicht?

Warum denn bei einzelnen Worten stoppen, warum nicht gleich Annika mutig machen und Tommy ängstlich – aus Fräulein Rottenmeier einen Herrn Rottenmeier machen, die Hexen politisch korrekt zum Yogazirkel älterer Damen erklären, die sich auf dem Blocksberg nur einfach der Natur näher fühlen? Ja – warum eigentlich nicht?

Ein Autor hat seine Lebenswirklichkeit und darüber schreibt er. Wenn der unverfälschte Text für den Spätlesenden einen oder anderen Stolperstein enthält – wunderbar. Das animiert nämlich zum Nachdenken. Warum war es damals so und ist heute … immer noch so?
Und heisst nur anders? Und wird nicht dadurch ungeschehen gemacht, dass wir ein Wort durch ein anderes ersetzen?

Lest Lessing, lest Shakespeare und ersetzt in Gedanken jedes nicht politisch korrekte Wort durch ein weichgespültes. „Denn die Authentizität des Werks muss der sprachlichen Weiterentwicklung untergeordnet werden.“ Ihr werdet merken wie schnell sich Euer Gehirn entspannt.

Und genau das ist und war Ziel jeglicher Zensur zu jeder Zeit!

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