Geschichten machen

heisst auch sich darüber im Klaren sein, daß alles schon mal da war und nur wieder neu erzählt wird. Gerade ist mir aufgegangen, daß der Kleine Häwelmann eigentlich Icarus heisst.

Nicht mehr ganz so griechisch-tragisch aber das Thema der ‚Himmelssehnsucht‘, die dem Menschen nicht zusteht, ist klar wie Kloßbrühe.

Was ist nur an dem, was wir nicht erreichen können, daß wir es gerade deshalb so dringend wollen?

Sich ‚überheben‘, wie Icarus. Hochmut kommt vor dem Fall.

Sapere aude

Man weiss ja nicht wie es in anderen Köpfen aussieht. Meiner ist eine Mischung aus Bibliothek, Kunstsammlung, Panoptikum und Höhle mit flackernden Schatten an den Wänden. Wenn man sich die Zeit nähme langsam durch die Räume zu wandeln, würde man feststellen dass viele Bücher Blindbände sind, oder dass in ihnen nur ein Satz steht, manchmal vielleicht sogar nur ein einziges Wort.

Manche der Bilder und Skulpturen scheinen schön beim ersten Blick, grässlich beim zweiten und umgekehrt. Die Exponate in den Gläsern sind rührend und widerwärtig zugleich. Jedes Ding hat nicht nur zwei sondern unendlich viele Seiten. Sogar die Blindbände ;-D.

Ich aber hüpfe meistens von Raum zu Raum wie ein Irrwisch, ziehe da etwas hervor, lege dort etwas ab zum späteren Gebrauch, bleibe plötzlich fasziniert von einem Gedanken stehen, frage mich wo ich ihn herhabe und eile schon wieder weiter um am Altar des Zweifels alles zu opfern was mir über den Weg läuft.

Es gibt Hallen aus Glas mit blitzendem Räderwerk und organische Tümpel mit Urschlamm und überall moralinsaure Pfützen die das Äquivalent zu Bananenschalen bilden. Und wenn mir das ganze hin und herspringen zuviel wird, gucke ich kurz bei der Milchstrasse vorbei, lege mich zurück und lasse mich ein Weilchen treiben.

Man weiss nicht wie es in anderen Köpfen aussieht. Ich würde mit niemandem tauschen.