Dark Shadows

Barnabas Collins ist ein Vampir alter Schule. Mehr Bela Lugosi als Christopher Lee und mehr George Hamilton als Gary Oldman. So höflich, dass er sich meistens entschuldigt während er meuchelnd Mundraub begeht, denn Barnabas  ist weder freiwillig noch gerne ein Vampir.

Von einer schönen aber bösen Hexe verflucht hat er fast 200 Jahre unter der Erde verbracht und gerät jetzt staunend ins Jahr 1972 wo er sich anschickt dem einstigen Familienbesitz und dem kärglichen Rest seiner Familie zu neuem Ansehen zu verhelfen. Das ist wunderbar in Szene gesetzt, mit einem absoluten Wohlfühlsoundtrack unterlegt und Johnny Depp gelingt es als Barnabas stets die Contenance zu wahren, seien die Umstände auch noch so lächerlich.

Ich habe mich glänzend amüsiert, auch wenn die eigentliche Liebesgeschichte ein wenig blutleer (Verzeihung!) daherkommt und die perfide, verschmähte Hexe körperlich so viel besser zum Vampir passt, wie eine sehr eindrucksvolle Verführungsszene demonstriert.

Sleepy Hollow mag gruseliger gewesen sein und Mars Attacks böser. Aber Tim Burton hat in diesem Film dem Vampir die Würde zurückgegeben, allein dafür lohnt es sich ins Kino zu gehen.

Team Barnabas. ;-D

 

KKk – Die Leiden des jungen Werther

Ein sentimentaler Briefroman in 8 Sätzen, 3 Zitaten, zwei Anmerkungen und einer Moral ziemlich frei nach dem heiligen Geheimrat von Goethe

Werther ist jung, wie wir dem Titel entnehmen können und daher schwärmt er. Für die Natur, für die Literatur und für Lotte, die dekorativ vor gewittererleuchteten Fenstern zu stehen oder noch dekorativer ihre jüngeren Geschwister mit Butterbroten (+) zu füttern weiss. Und leider verlobt ist mit Albert, einem völlig uncoolen langweiligen Kerl(1).

Nach einem kurzen Fluchtversuch ins harte Berufsleben, welches ihm aber überhaupt keinen Spass macht, kehrt Werther sehnsüchtig zurück zu seiner inzwischen verheirateten Liebe. Hartnäckig hängt er an ihrer Schürze und eines Abends (Albert ist gerade mal nicht da) kommt es wie es kommen muss zu einem Kuss.

Lotte fällt dann sehr plötzlich ihr ehrsamer Ehestand wieder ein und sie will Werther nie NIE wieder sehen. Diesem geht nun endlich sein ganzes Gejammer(2) so auf die Nerven, dass er Albert fragt ob er ihm nicht mal kurz seine zwei (+) Pistolen für ein ballistisches Experiment leihen könne, was er dann erfolgreich an sich selbst durchführt. Nicht ohne einen Abschiedsbrief zu hinterlassen und einen Selbstmordhype (3) auszulösen.

(+) Hohe Blutfettwerte waren damals noch unbekannt!

(1)

„Daß das Leben des Menschen nur ein Traum sei, ist manchem schon so vorgekommen.“

(2)

„Das volle, warme Gefühl meines Herzens an der lebendigen Natur, das mich mit so vieler Wonne überströmte, das rings umher die Welt mir zu einem Paradiese schuf, wird mir jetzt zu einem unerträglichen Peiniger, zu einem quälenden Geist, der mich auf allen Wegen verfolgt“.

(+) Vermutlich, falls eine Ladehemmung gehabt hätte. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

(3)

„Was dieses Werk gefährlich macht, ist, weil darin Schwäche wie Stärke gemalt ist. Aber wenn ich eine Sache nach meinem Sinne mache, kümmern mich die Folgen nicht. Wenn es Narren gibt, denen das Lesen desselben übel bekommt, nun – meinetwegen!“

Goethe an B. Constant de Rebecque, 16.2.1804

Und die Moral von der Geschicht: Lieber ein Lotterleben als die Lotte lieben.

KKk – Wilhelm Tell

Ein stürmisch drängendes Drama von Fritze Schiller in sieben Sätzen, 6 Fussnoten und vier Zitaten, sowie zwei Anmerkungen und einer Moral.

Die Schweiz (1) wird gar förchterlich von Kaiser Albrechts Landvögten unterdrückt. Willkür, Vergewaltigung, Folterung und STEUERERHÖHUNGEN treiben die freiheitsliebenden Edlen des Landes zum Rütlischwur (2)(*).
Eigentlich wollen sie mit dem Aufstand ja bis nach Weihnachten warten, doch Wilhelm Tell (3) provoziert den oberbösen Landvogt Geßler indem er sich weigert dessen Hut (*) zu grüßen (4). Geßler zwingt Tell daraufhin einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schiessen, weils so schön gemein ist und weil Kirschen grad keine Saison haben.
Es kommt zu einem furiosen Showdown auf dem sturmgepeitschten (5) Vierwaldstätter See und schließlich lauert Tell Geßler vor seiner eigenen Haustür (*) auf wo er ihn mit seiner Armbrust und schweizer Präzision erlegt (*). Das geplagte Volk erhebt sich wie ein Mann, metzelt die restlichen Vögte, stürmt die Zwingburgen und die Schweiz (6) ist frei (+). Friede, Freude und Käsefondue!

1) Die da noch gar nicht so heisst.
2) Es handelt sich hierbei um einen Berg, also bitte!
*) ‚Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr!‘
3) Genau! Deshalb heisst das Stück auch so!
*) ‚Ei Vater, sieh den Hut dort auf der Stange!‘
4) Nicht fragen, die Schweizer waren immer schon ein bisschen anders.
5) Zwischen lauter hohen Bergen kann der Wind schonmal in Panik geraten.
*) ‚Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht!(+)‘
*) ‚Das war Tells Geschoss!‘
6) Die auch dann noch nicht so heisst.

+ Unter anderem auch weil Kaiser Albrecht unterdessen Opfer des Generationenkonflikts geworden ist.
+ Der Name von Geßlers Burg, ich kann nichts dafür!

Und die Moral von der Geschicht: Vorsicht bei Hüten von der Stange!

PS: Gerade gefunden. Das ist auch sehr schön ;-D!